Unsere neue Cyberlife- Studie zeigt auf: Über 1,4 Millionen Kindern und Jugendliche Opfer von Cybermobbing (Kopie 1)
Karlsruhe – Vier Jahre später - die zweite empirische Studie nach 2013 zeigt die Veränderungen im Umgang mit Cybermobbing in Deutschland. Wie gehen Kinder und Jugendliche mit Cybermobbing um? Wie hoch sind die Opfer-/Täterzahlen? Sind die eingeleiteten Maß-nahmen an Schulen zur Prävention erfolgreich? Diese und weitere Fragen standen im Fokus der Befragung.

 

Im Zeitraum von Oktober 2016 bis Februar 2017 wurden über 3.000 Eltern, Lehrkräfte und Schüler/-innen befragt. Ziel der Studie war es, die Veränderungen des Problems Cybermobbing und der Gewalt im Netz zu untersuchen, um den aktuellen Stand aufzuzeigen. Die Studie bestätigt bereits bekannte Erkenntnisse, fördert aber auch neue interessante und er-schreckende Zahlen zu Tage. Die Studie wurde mit Unterstützung der Deutschen Telekom durchgeführt.

Die Opfer werden immer jünger, schon in den Grundschulen beginnt der Terror: Nach eigenem Bekunden geben fast 13% der Schülerinnen und Schüler an, bereits Opfer von Cybermobbing-Attacken gewesen zu sein, diese Zahl steigt auf 23% an für die Altersgruppe der 14 bis 16 Jährigen.

Im Vergleich zu 2013 ist zwar ein leichter Rückgang zu erkennen, der auf die Aktivitäten an Schulen und der gesteigerten Sensibilität der Eltern, der Schüler und der Gesellschaft allgemein zurückzuführen ist. In absoluten Zahlen sind es jedoch über 1,4 Millionen Jugendliche, die zu Opfern von Cybermobbing werden. Nach den Tatmotiven gefragt, haben sich diese in den letzten vier Jahren verändert: Waren es damals noch die Langeweile oder der Spaß, so wird heute gezielt und härter gemobbt, um andere fertig zu machen.

„Die Folgen“, so Uwe Leest, Vorstandsvorsitzender des Bündnisses gegen Cybermobbing e.V., „sehen wir in der sehr alarmierenden Zahl von über 280.000 Jugendlichen, die schon einmal über Suizid nachgedacht haben. Hier sind die Gesellschaft und das Umfeld der Jugendlichen gefordert.“

 

Im Rahmen ihres gesellschaftlichen Engagements setzt sich die Telekom für die digitale Medienbildung von Kindern und Jugendlichen ein, um bereits frühzeitig den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln. „Wir haben die Studie unterstützt, weil uns der Schutz von Kindern und Jugendlichen ein großes Anliegen ist“, sagt Thomas Mett-Winter, Leiter Consumer Segment Operations, Deutsche Telekom. „Wir unterstützen Eltern, Erzieher, Kinder und Jugendliche deshalb mit zahlreichen Informations- und Aufklärungsmaßnahmen ebenso wie mit technischen Lösungen.“

Die Studie belegt den Bedarf dafür: Die befragten Eltern bekunden, dass die mediale Entwicklung ihre elterliche Erziehung deutlich erschwere und zu einer Überforderung führe. Lediglich 10% der Eltern überprüfen, was ihre Kinder im Internet machen.

60% der befragten Lehrkräfte geben an, dass ihnen Cybermobbingfälle unter ihren Schülern bekannt sind. Mit Blick auf die Gefahrenpotenziale des Internets sieht die Mehrheit der Lehrer bei sich selbst immer noch ein erhebliches Informationsdefizit. Sie fordern daher präventive Maßnahmen wie Anti-Gewalttrainings, Lehrerfortbildungen sowie Hilfs- und Beratungsstellen und gesetzliche Regelungen.

Der Vorstandsvorsitzende Uwe Leest fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Studie zusammen: Das Problem ist weiterhin sehr groß, hat sich aber qualitativ verändert. Deshalb empfiehlt das Bündnis die Einführung einer deutschlandweiten zertifizierten Online-Beratungsstelle und eines Hilfe-Portals/ Ratgebers analog der Hotline „Gewalt gegen Frauen“ des Familienministeriums, an das sich Jugendliche und Erwachsene wenden können.

Die bisherige Präventionsarbeit an Schulen reicht noch nicht aus, sie muss bereits an den Grundschulen beginnen. Kinder müssen den „sozialen Umgang im Internet“ lernen. Eine verbesserte Lehrerfortbildung ist ein weiterer wichtiger Baustein, um das Problem in der Zukunft einzugrenzen.

Eine Selbstkontrolle der Onlineanbieter ist ebenso eine dringende Notwendigkeit sowie eine gesellschaftliche Diskussion über die Anonymität im Internet, denn die Anonymität fördert den Terror im Netz erheblich.

Und zu guter Letzt ein „Cybermobbinggesetz“, um Tätern und Opfern zu zeigen, dass Cybermobbing kein Kavaliersdelikt ist, so Leest.

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